Von Flucht und Ein- und Heimkehr – Die Emmaus-Jünger

Apr 25, 2020 | Archiv – Predigten aus der Coronazeit | 0 Kommentare

Geschrieben von Tomas Kaupeny

25. April 2020

Wort zum Sonntag

Während sie miteinander redeten…

BibelrundeKeiner der Evangelisten liefert uns eine Dokumentation über die Auferstehung Jesu. Die vier Evangelisten bieten uns eher ein Puzzle verschiedener Begegnungen und Ereignisse an, die uns ahnen lassen, was wirklich geschehen ist. Weder Maria Magdalena, die früh...

Predigt 2. Sonntag der Osterzeit

Im Zentrum des Evangeliums vom Weißen Sonntag steht jener Jünger, der traditionsgemäßg als der "ungläubige Thomas" bezeichnet wird. Tomas Kaupeny schenkt in seiner Predigt einen neuen Blick auf dieses Evangelium. "Streck deine Hand aus, rühr einen Finger - und du...

Wir haben den Herrn gesehen!

BibelrundeWir haben den Herrn gesehen! 2. Sonntag in der OsterzeitWieder einmal lässt uns die Zusammenschau der Texte der Liturgie ein Thema entdecken, das zeitlos ist und uns mitten hinein in unser Leben führt:Da zeichnet die Apostelgeschichte ein Bild der...

Osternacht Predigt von Tomas Kaupeny

Die Osternacht 2021 feiert die Caritasgemeinde in der Pfarrkirche Altlerchenfeld. Aus verschiedenen Gründen waren wir angehalten, den Gottesdienst so kurz wie möglich zu halten, auch die Predigt. Tomas vollendete mit der Betrachtung der Figur des Wächters den Zyklus...

Neben-Figuren: Karfreitag, Simon von Cyrene

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Palmsonntagspredigt 2021

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…damit ich höre, wie Schüler hören…

BibelrundePalmsonntag  Der Palmsonntag eröffnet die „große Woche“, die „Semana Santa“, die Woche des Leidens Jesu und seiner Auferstehung. Jesu Einzug in Jerusalem ist die Einführung in die Schilderung des Leidens und Sterbens Jesu. Das Markusevangelium enthält die...

Wort zum dritten Sonntag nach Ostern

Meine Lieben!

In der vergangenen Woche hat so oft, wie noch nie, das Telefon bei mir geläutet. „Ob ich eh schon weiß…?“ „Super, ich hab g´hört…“ „Und sag: ist das jetzt schon ganz fix?“ – Es ging um die Nachricht, ab 15. Mai gibt´s endlich wieder die gemeinsamen Gottesdienstfeiern. Am Mittwochabend haben Christian und ich das Prozedere für die Caritas-Messe in dankbarer Vorfreude durchgesprochen, – bis hin zum „Karwoche Nachholen“: das wird ein frohes Wiedersehen – wann, wo, wie…?
Am Donnerstag kam dann die große Ernüchterung und Enttäuschung durch für uns unmöglich erfüllbare Auflagen: Ordner und Einlassdienst an den Kirchentoren (!), 20 m² (!) pro Person, 2 m (!) Abstand zwischen Personen. Für alle verpflichtender Mund-Nasen-Schutz. Durch dieses strenge Reglement sind wohl viele lebendige Gottesdienste – auch der unsere – verunmöglicht. Denn wer macht die „Einlasspolizisten“, „Wer sind die Leut´, die 25 Auserwählten, die reinkommen dürfen, – wenn sie brav jeweils ganz allein in einer Bank sitzen bleiben und dazwischen zusätzlich noch immer eine Bank frei bleibt…?
Ich erspare Euch jeden Kommentar meinerseits, denn ich will nicht schimpfen. Im Herzen hör ich ja auch schon wieder das tausendmal von der Mutter in unsere kleinen und großen Nöte hineingesprochene: „´s gibt Schlimmeres…“ Und schließlich: die Emmausjünger erzählen ja auch freimütig, Jesus ist grad, als sie so enttäuscht und traurig waren, an ihrer Seite mitgegangen. Unbekannt, unerkannter Wegbegleiter. Zuhörend, fragend, Verständnis weckend. Lang schon, bevor er ihnen dann im Haus drin das Brot bricht.

Mit ihnen bitten wir:

Schriftliche Predigt von

Tomas KAUPENY zu Lk 24,13-35

Von Flucht und Ein- und Heimkehr

Die Emmaus-Jünger

Unterwegs

„Sie sprachen miteinander über all das,

was sich ereignet hatte…“

 

Stundenwiederholung. Ich frag´ die Schüler, ob sie sich noch erinnern können: letztes Mal, was hab´n ma denn da g´hört, letzte Stunde? Gar nicht so einfach – drei Tage dazwischen sind lang im kunterbunten Durchereinand, im wilden Auf und Ab ihres Alltags. Hmm? Ich blicke in angestrengte Mienen. Nägelbeißen, Lippennagen, bedächtiges Kopfkratzen… Na gut, versuch ich´s mit der Uralt-Eselsbrücke und beginn langsam laut zu buchstabieren: „Eeee – Mmmm – Aaa – Uuu“ Da schießt Isabellas Hand in die Höh: „Oja! Wart -, gleich! Ok! Ja! Jetzt hab ich´s: Die Geschichte von den zwei kleinen E-Mäusen“ verkündet sie stolz.
Nun, seither hab ich angesichts der Emmaus-Jünger stets auch Isabellas Wortspiel als phantasievoll treffliche Interpretation im Ohr, denn: wachsam und aufmerksam in der Wahrnehmung, aber eben auch schreckhaft und furchtsam wie Mauserln hätten sich die zwei damals wohl einfach am liebsten blitzschnell verkrochen. Ab ins nächste, sichere Schlupfloch! Bloß weg von der gefährlich brodelnden Hauptstadt. Unauffällig, – klammheimlich, still und leise untertauchen. „Die 12 Kilometer bis Emmaus, das schaffen wir heut´ noch locker…“
Unterwegs ziehen vor ihrem geistigen Auge Nebelfetzen persönlich miterlebter Szenen aus Jesu Leben vorüber, da und dort blitzt ein Ereignis auf. Ach, Augenzeugen waren sie, so viele Erinnerungen wehen sie an. Und ratlos rastlos versuchen sie gemeinsam, das Unfassbare irgendwie zu verstehen: eine Art persönliche Stundenwiederholung: „Weißt Du noch, damals, am See…!“ – „Ach Gott, und diese vielen, vielen Kranken…“ „Erinnerst Dich ans `Verlorene Schaf`?“ – „Na klar, und die Münze, oder? Und dann diese zwei schwierigen Söhne…“ Plötzlich ein Schwenk: die Zähne zusammengebissen, mit verzweifeltem Kopfschütteln: „Das Knallen der Peitschenhiebe. Die Schreie. Das Marterholz. Die Jahrmarktstimmung rundumadum, – zum Kotzen! Bis auf Johannes sind wir alle, alle auf und davon… Haben ihn im Stich gelassen. Sowas von feig und gemein: einfach weggerannt… Weißt, damit werd´ ich nicht und nicht fertig. Und Du?“ – „Verdammt, ich krieg und krieg diese Schreckensbilder nicht aus dem Kopf. Echt ein Horror! Ich spür seinen Blick auf mir, hör direkt seine Stimme… So lebendig, als wär er da…“

Da gingen ihnen die Augen auf…
Lk 24,13-35

Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern Jesu auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
Da kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Worüber redet ihr auf eurem Weg? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret…Da blieben sie traurig stehen.
Er war ein Prophet. Er wurde ans Kreuz geschlagen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
Einige von uns gingen dann zum Grab
und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten…Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist…und er legte ihnen dar, … was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend und der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? …Sie brachen auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Vom Miteinand das Leben Teilen
„Er fragte sie: „Was sind das für Dinge, über die Ihr auf Eurem Weg miteinander redet?“

Dieser Tage kam ich beim Betreten eines Zimmers zufällig in den Genuss einer 2-min.-Szene, ein Uralt-`Peter Alexander´ lief im Fernsehen: Die Glocke schrillt. Lateinstunde. Der grimmige Schulmeister betritt zackig die Klasse. Mit unnachgiebiger Strenge im Blick fordert er absolute Ruhe ein. Da fällt ihm ein Bursch in der ersten Reihe auf, der trägt einen Trauerflor am Oberarm. „Na?“ fragt der Professor, relativ sanft: „Bei Dir gab´s einen Todesfall in der Familie oder im näheren Bekanntenkreis?“ Der Bursch schüttelt gesenkten Hauptes den Kopf: „Nein, Herr Professor.“ „Aber bitte, dann erklär mir: Wozu der Trauerflor?“ Todernst kommt die Antwort: „Es ist schlicht und einfach wegen Latein, Herr Professor. Latein ist eine tote Sprache.“ Die Klasse platzt, brüllt und windet sich vor Lachen, der gefoppte Schulmeister schreit sie nieder…

„Tote Sprache.“ Bloß ein Gag? – Das Wort ist mir nachgegangen. Aber nicht wegen Latein, keine Sorge, Latein ist auferstanden hinein in viele Sprachen, Dialekte, Fachausdrücke. Eher als Weckruf: Gib Acht! Man kann doch tatsächlich über alles reden, ohne damit etwas zu sagen. Man kann alles besprechen, und sich selbst doch völlig raushalten. Das Sprechen verkommt dann, egal auf welchem Niveau, zu sinnleerem Geschwätz und lästigem Geplapper. „Tote Sprache“.
„Lare Kilometer san des, wanns D´n ganzen Tag nur redst, dass si´ die Pappen bewegt.“ hat der gute Fritz Pober seinerzeit im Gefängnis gedichtet.
Nun: Die Emmausjünger machen trotz widriger Umstände genau das Gegenteil. Und sind mir darin Ermutigung. Denn sie sprechen miteinander über all das, was sich ereignet hat – was sie bewegt, wie sie´s erleben! Ja, mehr noch: Sie sind sogar offen diesem anscheinend harmlosen Dritten gegenüber, der sich zu ihnen gesellt. Und – noch mehr: Sie lassen sich von diesem Fremden hinterfragen, sind neugierig auf seine Sicht der Dinge, fasziniert lauschen sie seinen Deutungen.

Das Testament
„…da nahm er das Brot…“

Schließlich – überraschend schnell im Dorf angekommen,- drängen sie diesen geheimnisvollen Wegbegleiter, doch bitte noch bei ihnen zu bleiben. Seine Gegenwart und sein Verständnis tun so gut. Herzerwärmend. Balsam der wunden Seele.

Am vergangenen Sonntag traf mich völlig unvermittelt die Nachricht: Josef aus dem Haus Franciscus ist plötzlich verstorben. Mein Gott, der Josef? Mein lieber Josef!
Seit dreiunddreißig Jahren begleite ich ihn. Damals `Am Himmel´ noch ein Bub, nun ein erwachsener Mann, mit „schwerster geistiger und körperlicher Mehrfachbehinderung“, wie man´s fachlich so leichthin schubladiert.
Herr Josef Rogetzer aber war vor allem in, trotz und mit seiner ganzen Gebrechlichkeit ein unendlich starker, tapfer frohsinnig mutiger Mensch. Und heilig in seiner schlichten innigen Frömmigkeit.

Einmal, als ich ihn wieder im Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel besucht hab, saß er dort schon beim Abendessen: vor sich auf dem Teller ein Doppeldecker-Brot, drin dick Butter und Leberstreichwurst. Josefs Wiedersehensfreude kennt keine Grenzen: Mit seinen spastisch verkrampften Händen bemüht er sich augenscheinlich, das Brot zu teilen: Hält´s mit der einen fest, zieht mit der anderen dran, bis es zerreißt, – Butter und Leberwurst quellen zwischen seinen Fingern hervor. Ach, so stolz und zufrieden reichte er mir dann meine Hälfte, die ich staunend aus seiner Hand herauskletzelte. In ihm sah ich Jesus vor mir.

Später dann, wenn im Haus Franciscus der wöchentliche Gottesdienst durch Stefans Glockenzeichen eröffnet wurde, jauchzte Josef, der Ministrant, laut auf und fiel mit hohen heiseren Tönen in den Glockenklang ein: „Bim Bim Bim!“ In abenteuerlichen Verrenkungen wuchtet er sich schwungvoll aus seinem Sessel und klammert sich geschickt an meiner Hand fest – um nicht zu stürzen bei diesem wilden Manöver. Mit all den eigenen Schmerzen seines Leibes und der Seele ist er vom heiligen Geschehen so tief berührt, dass er weinen muss, mir dann unter Tränen zulächelt – um sich dann völlig ungeniert in meine Stola zu schnäuzen…
Die selbstverständliche Unbefangenheit aber, in der er das tat, wurde mein Wegweiser: Wegweiser zur Frage nach dem ursprünglichen Sinn vieler, vieler Dinge, Zeichen, Rituale und Bräuche…

Josefs „großer Auftritt“ war dann unbestritten jedes einzelne Mal die Gabenbereitung. Er war wie elektrisiert, wenn `sein´ Lied erklang: „Unser lieber Josef / schenkt uns ein / Wasser und Wein / in den Kelch hinein / – Mein Gott, wie schön, wenn wir uns versteh´n!“ Wackelig angestrengt arbeitet er sich aus dem Sessel zum Altar hoch, ein unbeholfen vor Aufregung zitternder Griff zu den Kännchen, und dann dieses unbeschreibliche Bemühen beim Einschenken – in Wagemut und Konzentration jedem Salto mortale auf dem Hochseil ebenbürtig. Aber bitte- stell Dir vor: Von der ganzen Gemeinde mitfiebernd beobachtet, gelang ihm das Ganze oft tatsächlich ohne einen einzigen Tropfen zu verschütten.
Wenn ich dann in Jesu Namen das Brot brach, faltete Josef in rührend windschiefer Weise die Hände und murmelte innig sein „Jeschusch! Jeschusch!“ Oft und oft wurden mir die Augen nass, wenn ich ihn so sah und hörte. Tief eingeprägt hat sich meinem Herzen dieses Bild.

Vom Aufbruch
„Und er entschwand ihren Blicken.“

Nun hat er sich unseren Blicken entzogen. Der Herzensblick aber, der bleibt: Mein Lebtag lang werd´ ich Josef wohl als heiliges Vorbild betrachten.
Heut´ aber staune ich mit den beiden „E-Mäusen“ und frag´ und bekenne angesichts Josefs überrachenden Abschieds: „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn des Ganzen erschloss?“
Ach Josef, von dort aus, wo Du jetzt sicher bist, wirst Du den vielen und auch mir bestimmt weiterhin deine Lebenszeichen geben. Und wir werden sie erkennen, weil sie Deine Handschrift tragen: Treue. Hilfsbereitschaft. Originalität und Humor.

Nachdenklich stimmende Gebetsanregung

Auf dem Bahnsteig wies sie mich auf den jungen Mann hin, der da im Menschenstrom vor uns seine Schritte seltsam eckig und zackig setzte. Nahezu mechanisch wirkte diese Bewegung. Derselbe war uns bereits im Waggon aufgefallen, weil er auf dem eigentlich für besondere Personengruppen reservierten Sitzplatz hocken blieb, – auch als ein uraltes Weiberl direkt neben ihm zu stehen kann.
Nun erst verstanden wir aber: Dieser tapfere junge Mensch konnte sich offenbar nur mittels unter der Hose verborgener Prothesen, die in Schuhen steckten, mühsam fortbewegen.
Dieses Erlebnis geht mir nach, dem muss ich nachspüren – auf seine Fragen horchen, mich seinen Fragen stellen.

Die Bettlerin hatte ihre traurige Tour vom hintersten Waggon aus in Fahrtrichtung gestartet. „Bitte, bitte“, sagte sie in flehendem Tonfall, während die eine Hand allen Passagieren der Reihe nach einen Pappbecher unter die Nase hielt und die andere eine Essbewegung andeutete.
Obwohl kaum wer auch nur ein paar Cent hineinwarf, sagte sie trotzdem zu jedem Menschen: „Danke, alles Gute!“
Nun hat sie sich bis zu mir vorgearbeitet: ein liebes, aber verhärmtes Gesicht, fast noch kindlich. Und ich staune: statt des erwarteten „Bitte, bitte“ weist sie mich auf das vollgepackte vorderste Fach meines Rucksacks hin und flüstert: „Pass auf, Bruder!“ Da erst bemerke ich: Der Reißverschluss ist ganz offen, weit klaffen die Ränder auseinander…
Dieses Erlebnis geht mir nach, dem muss ich nachspüren – auf seine Fragen horchen, mich seinen Fragen stellen.

Der Hund fiepte leise, stand dann mit angewinkelter Vorderpfote ganz ruhig, – nur die Schwanzspitze zitterte. Schließlich drehte er den Kopf in unsere Richtung, suchte Blickkontakt und deutete mit der Nasenspitze auf das dichte Gebüsch vor ihm. Vorsichtig schauen wir nach, können zunächst aber keinen Grund für seine Aufregung erkennen. Doch der Hund bleibt hartnäckig stehen, beharrt auf seinem Anliegen, – solange, bis wir das tarnfarbene, ins welke Laub geduckte Vogelkind wahrnehmen. Wir staunen: Entgegen seiner sonst oft so unbändigen Jagdlust hat er diesem kleinen ausgelieferten Wesen bloß seine Aufmerksamkeit entgegengebracht und auch uns daran teilhaben lassen.
Dieses Erlebnis geht mir nach, dem muss ich nachspüren – auf seine Fragen horchen, mich seinen Fragen stellen.

Meine Lieben!

Ich blicke aus dem Fenster in den Menter-Gasse-Garten: Unglaublich, was Ernstl, Alex, Herbert, Helmut und Stefan da unter Christians Anleitung Großartiges geleistet haben: Alles grünt und blüht, frisch gedüngt und täglich liebevoll gegossen, befreit von Wachstums-Hindernissen… Sogar ein geräumiges Sonnen- und Regenschutz-Zelt wurde anstelle einer fixen Holzhütte aufgestellt, was viele Vorteile bringt, zum Beispiel mehr Flexibilität…..

Auch der Hilfeschrei von Claudia Villani via Caritasgemeinde-Blog hat reiche Frucht gebracht. Als enge Wegbegleiterin von Dr. Ruth Pfau ist sie leitende Mitarbeiterin von M.A.L.C, einem großartigen Hilfswerk in Pakistan, wo neuerlich unsagbare Armut die Menschen bedroht.
Vergelt´s Gott!

Nun darf ich zum Schluss noch an den neuen „ZUSAMMENHANG“ erinnern. Das Thema lautet: „Am Straßenrand“, entnommen der Begegnung Jesu mit dem blinden Bettler Bartimäus, der „am Straßenrand“ sitzt…

Beobachtungen, Erlebnisse, Szenen, Ereignisse, Begegnungen, Überraschungen aller Art, Kultur, Sport, Streit, Freuden und Nöte… Ach, Unterschiedlichstes ist doch jedem von uns schon begegnet! Wär schön, wenn diese Saat im Herzen keimt, in vielen Artikeln grünt, aufblüht und Frucht bringt den vielen! Bitte, denk nach! Sehr freu´n tät´ ich mich, wenn auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sich trauen aus ihrer Welt und Sicht der Dinge was zu erzählen.

Wie auch immer – fest verbunden, Danke für´s gemeinsame „Durchhalten“!

Euer Tomas