Alle suchen dich!

von | Feb 6, 2021 | Aktuelles, Bibelrunde | 0 Kommentare

Geschrieben vonBerta

6. Februar 2021

Bibelrunde

5.Sonntag im Jahreskreis B

Wieder einmal bin ich fasziniert von der Klugheit, mit der die heiligen Texte in der Liturgie zusammengefügt sind.

Da ist zunächst Ijob mit seiner Frage nach dem Leid; nein: seiner Frage nach Gott mitten im Leid, die in eine bittere Klage mündet. Die Freunde können Ijob keine Antwort geben. Sie sind gefangen in der Überzeugung, Leid sei eine Strafe Gottes, eine Vergeltung. Ijob kann sich damit nicht zufrieden geben und wendet sich direkt an Gott. So findet er neu zu einer Glaubensentscheidung.

 

Lesung aus dem Buch Íjob.

Ijob 7,1-7

Íjob ergriff das Wort
und sprach:
Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?
Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?
Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt,
wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet.
So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.
Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn?
Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert.
Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf,
meine Haut schrumpft und eitert.
Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage,
sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung.
Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist!
Nie mehr schaut mein Auge Glück.

Hiob, Marc Chagall

Ein weiterer Schritt führt uns in die Gedankenwelt von Paulus. In seinem ersten Brief an die Korinther fasst er zusammen, wie er sein Leben im Dienst des Evangeliums versteht: Allen alles werden; allen das nicht nur geben, sondern werden, was ihnen entspricht, was sie für ihre Entwicklung brauchen.

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth                  (1 Kor 9,16-23)

Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn.
Wenn es mir aber nicht freisteht,
so ist es ein Dienst, der mir anvertraut wurde.
Obwohl ich also von niemandem abhängig bin,
habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht,
um möglichst viele zu gewinnen.
Den Juden bin ich ein Jude geworden,
um Juden zu gewinnen;
denen, die unter dem Gesetz stehen,
bin ich, obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe,
einer unter dem Gesetz geworden,
um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen.
Den Gesetzlosen bin ich sozusagen ein Gesetzloser geworden
– nicht als ein Gesetzloser vor Gott,
sondern gebunden an das Gesetz Christi – ,
um die Gesetzlosen zu gewinnen.
Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,
um die Schwachen zu gewinnen.
Allen bin ich alles geworden,
um auf jeden Fall einige zu retten.
Alles aber tue ich um des Evangeliums willen,                um an seiner Verheißung teilzuhaben

Paulus, El Greco

In der  Begegnung Jesu mit der Schwiegermutter des Petrus findet das Suchen der Menschen endlich die unüberbietbare Klarheit und Eindeutigkeit: Jesus reicht die Hand, seine Zuwendung heilt. Als „alle ihn suchen“, zieht er sich zurück, um zu beten.

 

Evangelium – Mk 1,29-39

In jener Zeit
ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes
in das Haus des Simon und Andreas.
Die Schwiegermutter des Simon

lag mit Fieber im Bett.
Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie
und er ging zu ihr,
fasste sie an der Hand und richtete sie auf.
Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
Am Abend, als die Sonne untergegangen war,
brachte man alle Kranken und

Besessenen zu Jesus.
Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
und er heilte viele,
die an allen möglichen Krankheiten litten,
und trieb viele Dämonen aus.
Und er verbot den Dämonen zu sagen,
dass sie wussten, wer er war.
In aller Frühe, als es noch dunkel war,
stand er auf und ging an einen einsamen Ort,
um zu beten.
Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
und als sie ihn fanden,
sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen,
in die benachbarten Dörfer,
damit ich auch dort verkünde;
denn dazu bin ich gekommen.
Und er zog durch ganz Galiläa,
verkündete in ihren Synagogen
und trieb die Dämonen aus.  

Rembrandt: Die Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus

Für die stille Ecke:

 

Das Bild von Chagall hilft mir,

mich geistig an die Seite

Ijobs zu begeben.

Ich spüre meine Wunden,

die alten und die gegenwärtigen…

Ich umgebe mich mit den Menschen,

die mir ihre Wunden anvertraut haben,

deren Not und deren Namen ich kenne,

denen zurzeit alles über den Kopf wächst…

Ich denke an die vielen Spitäler,

an Kara Tepe und alles

Leid auf diesem Planeten,

dem schaurig-schönen…

Ich spüre meine Hilflosigkeit,

die Wut und die Fragen in mir…

Und ich spüre den Blick Jesu auf mir, seine Hand,

die sich mir entgegenstreckt.

Sei geduldig gegenüber allem,

was noch  ungelöst in deinem Herzen ist

und versuche, die Fragen selbst zu lieben,

wie verschlossene Räume oder Bücher,

die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Suche nicht Antworten,

die dir nicht gegeben werden können,

da du sie nicht leben könntest.

Und der Punkt ist, alles zu leben.

Lebe die Frage jetzt.

Vielleicht wirst du schrittweise,

ohne es zu merken,

eines Tages die  Antwort leben.

Rainer Maria Rilke

Marc Chagall, Hiob

Mein Gott, ich suche dich!

Wir alle suchen dich!

Du heilst, die gebrochenen Herzens sind,

du verbindest ihre Wunden.
Du bestimmst die Zahl der Sterne
und rufst sie alle mit Namen.

Ja, gut ist es, unserem Gott zu singen und zu spielen,
ja, schön und geziemend ist Lobgesang.
Der HERR baut Jerusalem auf,
er sammelt die Versprengten Israels. (Psalm 147)

Mein Gott, dich suche ich!

Wir alle suchen dich!

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