Wenn ihr mich lieb habt, werdet ihr an meiner Weisung festhalten.

Mai 16, 2020 | Archiv – Predigten aus der Coronazeit | 2 Kommentare

Geschrieben von Tomas Kaupeny

16. Mai 2020

Meine Lieben!

 „Die gute Nachricht ist die bessere“ heißt´s. Also: die gute Nachricht gleich zu Beginn: Ab Pfingstsonntag, dem `Geburtstag der Kirche´ feiern wir wieder gemeinsam Heilige Messe! Allerdings: freilich noch nicht am Schedifkaplatz, – da dürften nach wie vor aufgrund der geltenden Bestimmungen derzeit noch immer bloß 29 Leute rein – sondern in der Altlerchenfelder Kirche, der drittgrößten Kirche Wiens. Und das heißt: für alle wird – ohne Anmeldung! – trotz der derzeitigen Mindest-Abstand-Regelung Platz sein. Ich freu mich drauf. Aber, – große Bitte: Wenn´s jemand auch nur ein bissl unheimlich ist, bezüglich Ansteckungsgefahr – selbstverständlich soll sich der nicht genötigt fühlen, zu kommen. Vollstes Verständnis dafür! Wir sind im Gebet ja alle miteinand´ fest verbunden: so oder so – drauf kommt´s nicht an.

 

 

 

 

 

 

 

Zur Hinführung und Einstimmung:

Wort zum Sonntag

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Das Schaf zittert vorm Wolf –„Ich bin so klein“.

Der Wolf heult den Mond an – „Ich bin so allein.“

Das Kind im Stall ruft sie beide herein:

„Wärmt Euch, mein Friede soll mit Euch sein.“

Der Mann am Kreuz schaut dann beide an:

„Ich weiß, wie schwer der Friede sein kann.“

Bitte, halt mich fest, wenn der Mut mich verlässt.

Du verlässt mich nie.

Zeig ein Friedenslicht, dass das Dunkel zerbricht.

Leise Melodie.

Faust, hart und erstarrt, öffne Dich, die Taube liegt verletzt am Weg!

Fuß, steig nicht drauf, Herz, nimm sie auf –

und Deine Angst verweht.

Schritt für Schritt, einer geht immer mit,

unsre Brücke ist das Gebet.

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Schriftliche Predigt von

Tomas KAUPENY

zu Joh 14, 15–21

Wenn ihr mich lieb habt, werdet ihr an meiner Weisung festhalten.

Vom Tatwort

Nach dem letzten Abendmahl, – `In jener Nacht…´- hat´s Jesus dem engsten Kreis, diesem verwirrten, verstörten Häuflein einmal noch ans Herz gelegt: „Freunde, bitte: es geht nicht um großartige Treue-Schwüre und Glaubensbekenntnisse. Es sind nicht die hochtrabend, wohlgesetzt edlen Worte, auf was´ ankommt. Davon gibt´s wahrlich schon zur Genüge. Es geht um was anderes: Es geht ums Tun. Es geht ums Z´amhalten. Es geht immer ums Ganze.“

Wenn ihr mich lieb habt, werdet ihr an meiner Weisung festhalten.

Joh 14,15-21

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn ihr mich liebt,
werdet ihr meine Gebote halten.
Und ich werde den Vater bitten
und er wird euch einen anderen Beistand geben,
der für immer bei euch bleiben soll,
den Geist der Wahrheit,
den die Welt nicht empfangen kann,
weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.
Ihr aber kennt ihn,
weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen,
ich komme zu euch.
Nur noch kurze Zeit
und die Welt sieht mich nicht mehr;
ihr aber seht mich,
weil ich lebe und auch ihr leben werdet.
An jenem Tag werdet ihr erkennen:
Ich bin in meinem Vater,
ihr seid in mir
und ich bin in euch.
Wer meine Gebote hat und sie hält,
der ist es, der mich liebt;
wer mich aber liebt,
wird von meinem Vater geliebt werden
und auch ich werde ihn lieben
und mich ihm offenbaren.

Vor einer Woche war Muttertag. Freilich hab da auch ich innig unserer Mutter gedacht. Hab ihre Stimme im Ohr, hör sie sagen: „Kinder, ich brauch eigentlich erst gar keinen Muttertag. Weil: entweder hab ich jeden Tag Muttertag oder gar nicht. Wer mir zeigen will, dass er mich lieb hat, hat tagtäglich wahrlich genug Möglichkeiten dazu: vom Einkaufen-Gehen über´s Aufdecken, G´schirr-Waschen, Z´amräumen, Mistkübel ausleeren Gehen… – und vor allem: sein Wort Halten. Wenn Du g´sagt hast, `Mach ich!´- dann mach´s, aber bitte auch wirklich. Egal ob´s Dir grad lustig ist, ob´s D´ traurig bist, verärgert oder locker, heiter grad oder beleidigt, – darum geht´s nie in erster Linie. Das ist nicht die Frage. Was notwendig ist, g´hört einfach g´macht, es wird Dir kein Stein aus der Krone fallen dabei…“

Ach, mehr noch als ihre Worte aber hat sich uns ihr Beispiel, ihr Vorbild eingeprägt: die Not brandete an sie heran, und die Mutter half, wo und wann auch immer nach Kräften weiter. Als Kinder schon und später als Jugendliche mussten wir sie oft sogar zurückhalten, weil sie in ihrem nimmermüden Einsatz für andere die eigenen Grenzen ganz aus den Augen verlor…

Tante Anna

Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit.

Vom Stoßgebet

 

„Gott im Himmel, steh mir bei! Bin ich wirklich die einzig Normale in dieser verrückten Familie?“ Die gute alte Tante Anna hat uns diese Worte ins Herzens-Stammbuch geschrieben, hat diese Alltags-Stoßgebete ihr Lebtag lang eingeübt, sich dran festgehalten, dran geklammert, wenn sie am gähnenden Abgrund des Nicht mehr weiter Könnens, des Nicht mehr weiter Wissens, des `Es reicht…´ gestanden war. Offenbar hat sie oft die Erfahrung gemacht, dass es hilft, so schlicht und einfach zu bitten: nicht, dass dann von einem Augenblick auf den anderen alles wieder gut wäre, wohl aber, dass dein Herzensblick wieder neu aufgeht und einsetzt, und dir wundersame Kräfte zuwachsen, die der Verzagtheit, Mutlosigkeit und Resignation trotzen.

Vom anderen Beistand

 

Der 10-jährige Lamin hatte sich als Taufpatinnen Lisa und Clementine ausgesucht. Nach Lisas Begrüßung hat Clementine im Rahmen der Feier in der Grinzinger Pfarrkirche Lamin und uns allen erklärt, wie sie diese Aufgabe sieht: „Lamin, das gemeinsame Musizieren hat uns zusammengeführt. Es ist ein Bild für´s Miteinander und Zusammenleben. Beim gemeinsamen Musizieren nämlich kommt´s drauf an, aufmerksam zu sein: aufeinand´ zu schauen, aufeinand´ zu horchen, wissen, dass wir alle Fehler machen dürfen, und, Gott sei Dank!, was draus lernen können. Du, wir alle sind irgendwie immer wieder Anfänger und irgendwo Fortgeschrittene. Wir alle üben Tag für Tag. Das gilt für´s Musizieren wie für´s Zusammenleben. Das Ziel ist das Zusammenspiel zum Segen für die Vielen. Die Freude.“

 Eva, deren Firmpate ich bin, hat Jahre später einmal gemeint: „Wenn ich merk´, wie der Mut mich verlässt, schließ ich kurz die Augen, denk zurück an die Firmung, spür Deine Pranke auf meiner Schulter. Erinner´ mich mit Blick zum Himmel wieder dran: Da is´ wer, der steht zu mir, der hält zu mir, der glaubt an mich… Und dann trau ich mich wieder…“

 Gabi und Bertl in der Ehevorbereitung: `Ich will Dich lieben, achten und ehren in Gesundheit und Krankheit, in guten wie in bösen Tagen…´ – „Für uns zwei heißt das: Du bist mein Schicksal und das ist kein Zufall. Mit Gottes Hilfe einander nach Kräften beistehen und Rast geben im wilden Auf und Ab des Erdenweges, darum geht´s.“

Josef Rogetzer

Am Donnerstag, Josefs Begräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof. Angelika kommt abgehetzt, etwas verspätet nach. Jeder Abschied geht ihr tief zu Herzen, geschweige denn nun der Tod von Josef, um den sie sich in ihrer Wohngruppe so liebevoll angenommen, und der seinerseits ihre rührend herzliche Fürsorge mit tiefer Zuneigung erwidert hat. Mehrmals tritt sie zerzaust, unsicher, unbeholfen Richtung offenes Grab vor und stammelt mit tränenerstickter Stimme verworrene Herzens-Grüße und -Wünsche für Josef. Ich trete still an ihre Seite, sie sucht meine Hand, meinen Beistand. Aber: dass grad sie es war, die mir in dieser Stunde ganz besonders beigestanden ist und Halt gegeben hat, mir, und wohl uns allen durch ihre ungeniert schlichte Innigkeit, – davon hatte sie freilich keine Ahnung.

Vom Geist der Wahrheit

 

Jedes, wie auch immer geartet, ehrlich bemühte dem anderen Beistehen, erinnert, erneuert und vertieft das Vertrauen in die Güte des Lebens. Jener Geist der Wahrheit, der in der Geschäftigkeit der Welt so schnell übersehen wird: jener tiefsten Wahrheit, nach der jedes Menschenherz sehnsüchtig lechzt: Vertrauen, Zutrauen, Anvertrauen, – Gottes Treue: sein Zutrauen in uns – und unser Gottvertrauen antwortet.

Für Josefs Begräbnis hab ich einen Psalmvers ausgewählt, der von diesem Geheimnis erzählt, der – wie mir scheint – seine Lebensgrundhaltung übersetzt. „Voll Vertrauen war ich, auch wenn ich sagte: Ich bin so tief gebeugt…“ (Psalm 116,11)

Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme wieder zu euch.

Vom Entgegenkommen

 

Auf dem Heimweg, spät ist es geworden, kommt mir Isztvan entgegen. Er begrüßt mich herzlich: „Tomas, dass ich Dir jetzt träffe, ist gutä Zeichen. Musst du wissen: heut hat Polizei bei Kontrolle Ferenzc und Ladzy mitgenommen. Ich jetzt gehen auf Wachstube, und fragen, was los mit ihnen.“ „Na, Du traust Dich aber was!“ sag ich. „Alle Achtung!“ – „Muss“ antwortet Isztvan im Brustton der Überzeugung. „Hab ich sonst nix Ruhe mehr. Freunde is Freunde, stimmt? Wir drei Jahre immer zusammen. Sommer, Winter. Immer – Du wissen! Freunde is Freunde, stimmt?!“ Tatsächlich habe ich oft schon über den Zusammenhalt dieser drei Kumpane gestaunt. Sie leben auf der Straße, teilen wirklich alles miteinand´, und wenn einer im Spital landet, sind am nächsten Tag die andern zwei bei ihm auf Besuch. „Lass sie mir herzlich grüßen!“, bitte ich Isztvan und steck ihm einen Zwanziger zu.

 In solcher Begegnung und vielen Begegnungen spüre ich etwas von diesem geheimnisvollen Entgegenkommen Jesu Christi, in dem wir leben, aus dem wir schöpfen.

Zum Nachdenken und Weiterbeten:

 

Ach Du liebe Güte, – wie oft beklage ich den Unfrieden in der Welt, all die Erdogans und Trumps und Putins, die vielen Krisenherde und diese grässlichen Terroranschläge….

Aber – wie schaut´s in meinem Leben aus mit Friedensverhandlungen und Friedenszeichen?

Bitte, sei mein Mut zu einem einzigen, ersten Schritt, ein Schritt hin zu…

 

Ach Du liebe Güte, – wie oft ärgere ich mich über die Selbstverständlichkeit, mit der all mein Bemühen und meine Anstrengungen schlechterdings übergangen werden. Kein Wort der Dankbarkeit, kein Zeichen der Anerkennung. Keine Entschuldigung. Null.

Aber – wie schaut´s in meinem Leben mit dem Danke-Sagen aus? Genauso traurig oft.

Bitte, sei meine Freude am Dankesagen in alle Richtungen. Danke für…

 

Ach du liebe Güte, – manchmal schaudert´s mich, wie viele Menschen ständig irgendeine neue Ablenkung und Betäubung brauchen, ohne die sie offenbar gar nicht mehr leben können. Und dabei eigentlich das Leben versäumen….

Aber, ehrlich gesagt, bin ich ja auch nicht viel anders.

Bitte öffne Du mir die Augen, öffne Du mir die Ohren und das Herz. Sei meine Demut, allen Rückschlägen zum Trotz, die innere Lebendigkeit zu suchen. Sehnsucht nach …

 

Ach Du liebe Güte, – ein Menschenauflauf, – dieses widerliche Herumgeschiebe, diese rücksichtslose Drängelei mit den entsprechenden Kommentaren dazu….

Da merk´ ich erst, wie gehetzt, nervös, gereizt und ungeduldig ich selber bin, – wie aufbrausend auch ich von einem Augenblick auf den anderen werden kann.

Bitte, mach mich ein bissl sanftmütiger, sei Du die Geduld mit mir selber, gib mir Geduld mit den anderen. Geduld für …

Meine Lieben,

 `Sende aus Deinen Geist und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern!´ (Psalm 104,30) Die Erfahrung, die diesem alttestamentlichen Bild innewohnt, ist der Sturmwind, der die schweren, dunklen Regenwolken vor sich hertreibt. Und – wenn´s dann wie aus Kübeln zu schütten beginnt, atmet das ausgedorrte versteppte Land auf, – innerhalb von drei Tagen grünt und blüht alles. Wir haben nun heuer in dieser Woche, – pünktlicher geht´s schon nicht mehr – tatsächlich kalendergetreu mit den `Eisheiligen´ – Pankratius, Servatius, Bonifatius und die `nasse Sopherl´- den Temperatursturz erlebt, die Stürme und den Regen. Endlich! Das spürbare Aufatmen der Natur aber sei uns Verheißung, dass dieses Wunder auch in unseren Herzen geschehen will. So lasst uns rufen… „Komm, Heiliger Geist…“

Eine große Bitte zum Schluss: Auch der im Entstehen begriffene neue `Zusammenhang´ lechzt nämlich noch nach Beiträgen: Erlebnisse – Erinnerungen, Begegnungen, Bilder, Aktionen, Zwischenfälle, Überraschungen aller Art – bitte ungeniert aufschreiben und senden bzw. übergeben. Was Dir da geschenkt oder auch zugemutet wurde, was Dir widerfahren ist, kann vielleicht für jemand anderen eine echte Horizonterweiterung und Lebenshilfe sein. Der Weg entsteht im Gehen. Der `Zusammenhang´ im Schreiben…

 

Wie auch immer, Schritt für Schritt, von Herz zu Herz

Euer Tomas

Der 30. Mensch.

InnenZeit Das wöchentliche CoronEssay von Christian WetschkaDie Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen…...

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