Neben-Figuren: Gründonnerstag, Die Magd

von | Apr 1, 2021 | Gottesdienste | 0 Kommentare

Geschrieben von Christian Wetschka

1. April 2021

Vom erkennen und verleugnen

Die Magd erkennt Petrus

(m)EINBLICK – CWs Kolumne

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Die Magd erkennt Petrus- Tonfigur von Ingeborg Kuhl-Rossrucker, fotografiert von Fritz Polesny

Darauf nahmen sie Jesus fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus folgte von weitem.

Mitten im Hof hatte man ein Feuer angezündet und Petrus setzte sich zu den Leuten, die dort beieinandersaßen.
Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen.
Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht.

Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht!

Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer:
Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer.
Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst.

Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn.

Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an.
Und Petrus erinnerte sich an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

„Du bist ja auch einer von denen!“ Petrus wird ertappt von einer Magd, die ihn draußen am Hof als einen Jesus-Gefährten wiedererkennt. Sie hält sich nicht zurück, wissend, dass die Situation für einen Jesus-Anhänger gefährlich werden könnte. Was ist ihre Absicht? Ihr Motiv? Hat sie bloß Lust, mal einen Schwächeren bloßzustellen oder glaubt sie, dass die Jesus-Jünger wirklich gefährlich sind und fürchtet sich vor ihnen und ihrem vermeintlich umstürzlerischem Tun? Ein Mensch, angetrieben von Hass, Neid oder von Angst. Ihre Hilflosigkeit verkehrt sich gelegentlich in Bösartigkeit. Jeder von uns ist solchen Menschen schon begegnet und womöglich auch schon Opfer einer Bloßstellung oder Verleumdung geworden. Es geht ja auch so leicht: schnell ist etwas behauptet, ein Gerücht in die Welt gesetzt, eine Verurteilung hinausgetwittert …

Menschen wie diese Magd sind eine Herausforderung. Sie gehören meist nicht zu den besonders Beliebten. Ihrer inneren Zerrissenheit und ihrer Neigung zum Verletzen weicht man lieber aus. Petrus kann nicht ausweichen. Der verbale An-Schlag trifft ihn unvermutet. Er hat nicht einmal Zeit, darüber nachzudenken, ob er sich bekennen soll oder eher aus der Situation herauswinden. Noch dazu stehen alle unter Schock, niemand von den Jüngern weiß, wie es weitergehen soll. Vielleicht wäre es für Petrus und die Jünger richtig gewesen, sich zu Jesus zu bekennen, – vor den Augen der Geschichte wären sie wohl besser dagestanden, aber in der realen Situation war es vielleicht doch die klügere Entscheidung, auszuweichen und auf Nummer Sicher zu gehen. Wir müssen uns dem Urteil, das über Petrus über Jahrhunderte gesprochen wurde, nicht anschließen. Vielleicht ist ja dieses Urteil der Geschichte, das Petrus einfach als den Verleugner von Jesus hinstellt, auch nur ein vorschnelles Urteil und nicht weit entfernt von jener Bloßstellung der Magd?

Gewiss, die Magd ist eine Nebenfigur in der Leidensgeschichte Jesu (und auch der Leidensgeschichte des Petrus). Auch wenn ihre Motive nicht zu den edelsten zählen, wirft sie eine tiefgehende Frage auf: Zu wem gehörst du? Auf welcher Seite stehst du? Für was und für wen hast du dich entschieden? Petrus wird sich diese Frage in den auf den Gründonnerstag folgenden Tagen immer wieder gestellt haben. Und er hat sie in den Jahrzehnten, die auf diese Tage folgten, mit großer Klarheit beantwortet.

Vermutlich haben wir ähnliche Erfahrungen schon gemacht: Irgendjemand konfrontiert uns mit einer Frage, einer Behauptung, einer Meinung – und setzt damit einen Nachdenkprozess in Gang.
Welche Menschen gab es, die uns beunruhigt, bloßgestellt, beleidigt, gebrandmarkt,… haben, uns aber auf dem Weg zu einer Klärung weitergeholfen haben?

Kaum jemand hat diesen Gedanken so treffend ausgedrückt wie Karin Leiter im folgenden Gedicht:

Ich danke allen

Ich danke allen, die mich für meine Träume belächelt haben,
sie haben meine Fantasie beflügelt.

Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten,
sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben,
sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.

Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben,
sie haben mir Mut geschenkt, Berge zu versetzen.

Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben,
sie haben meinen Trotz geschürt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben,
sie haben mir Raum gegeben für Neues.

Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben,
sie haben mich wachsam werden lassen.

Ich danke allen, die mich verletzt haben,
sie haben mich gelehrt im Schmerz zu wachsen.

Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben,
sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Ich danke allen, die mich verwirrt haben,
sie haben mir meinen Standpunkt klar gemacht.

Vor allem danke ich aber allen, die mich lieben,
so wie ich bin.
Sie geben mir die Kraft zum Leben.

Karin Leiter

Reinhard Mey stellt in seinem wunderbaren Lied „Gute Seele“ einige der „Neben-Figuren“ in seinem Leben dar. Ein guter Wegbegleiter in die Welt der Neben-Figuren…

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Gute Seele, Schwester, Freund
Bin ein Leben lang rumgestreunt
Mit dieser Dankesschuld in mir
Die Gedanken gehen zu dir
Und mein Blick erinnerungswärts
Wärmt mir die Seele, wärmt mir das Herz!

Der dicke Junge, der abseits stand
Kam übern Schulhof und gab mir die Hand
Der Dicke war’s, der mich annahm
Als ich neu in die Klasse kam
Der, mit dem keiner spielen mag
Ist ein guter Freund für den ersten Tag!
Neue werden ja erstmal gemobbt
Erstmal gepiesackt, erstmal verkloppt
Der dicke Junge hat mich gedeckt
Hat meine Prügel stumm eingesteckt
Hat seinen Rücken für mich krumm gemacht
Jeder Hieb, der ihn traf, war für mich gedacht
Dicker Junge, Schwester, Freund
Bin ein Leben lang rumgestreunt
Mit dieser Dankesschuld in mir
Die Gedanken gehen zu dir
Und mein Blick…

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